8 Journalismuskonzepte, mit denen Sie das Engagement verbessern

Content Marketing

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In letzter Zeit ertappe ich mich immer öfter dabei, wie ich „das Magische X“ suche. „Das Magische X“ ist natürlich die schnellste Möglichkeit, all die nutzlosen und nervigen Sachen auszuixen, die auftauchen und mich von den Inhalten abhalten, derentwegen ich auf die Seite gekommen bin. Für den, der die Werbung schaltet, ist das selbstverständlich ein völlig unangemessener Wunsch. Aber für den Content-Marketer könnte das genau das Verhalten sein, das Sie von Ihrem Leser jedes Mal erwarten sollten, wenn er auf Ihre Seite kommt. Aber wie erstellen Sie Content, den der Verbraucher wirklich lesen möchte? Die Antwort ist einfach und könnte bereits seit Generationen existieren – bevor es überhaupt „das Magische X“ gab. Die Antwort lautet: Erstellen Sie genau den Content, den Ihr Leser als erstes finden will.

Wie man qualitativ hochwertige Inhalte erstellt, die Leser tatsächlich lesen wollen, weiß niemand besser als Journalisten. In Zeitungen, Zeitschriften, für das Fernsehen und das Internet erstellen Journalisten Geschichten, die Leser wirklich interessieren. Was also können erfolgreiche Content-Marketer von Journalisten lernen? Ganz einfach: wie man eine gute Geschichte erzählt.

Als ehemaliger Journalist habe ich eine Liste mit 8 Journalismuskonzepten erstellt, aus denen jeder Content-Marketer die uralte Kunst des Geschichtenerzählens lernen kann.

 

1.) Seien Sie für Ihr Publikum relevant und nützlich

Die Wirtschaftswoche schreibt für Unternehmer. Der Kicker schreibt für Fußballfans. Die Für Sie schreibt für Sie (haha, witzig, oder?). Journalisten schreiben Geschichten, die von öffentlichem Interesse sind und der Öffentlichkeit nutzen. Und ganz genau so sollte Ihr Content interessant für Ihre Leser sein und ihnen einen Mehrwert bieten. Bedienen Sie zuerst Ihre Leser und dann erst sich selbst – Leser und Suchmaschinen erkennen sofort, wenn Content nur Ihren Zwecken dient und Ihrer Zielgruppe keinerlei Relevanz bietet.

 

2.) Vereinfachen Sie

Komplizierte Wörter und komplexe Sätze können Ihre Leser verwirren. Schreiben Sie einfach, leicht lesbar und vermeiden Sie überflüssige Fachausdrücke, ohne jedoch den Status als Autorität in Ihrem Bereich aufzugeben. Je größer die Komplexität, desto höher hängen Sie die Latte, und damit verschrecken Sie vielleicht die Leser. Finden Sie die Balance: Nutzen Sie den kleinsten gemeinsamen Nenner, aber vereinfachen Sie nicht so weit, dass der Artikel nicht mehr nützlich ist.

 

3.) Erzählen Sie Geschichten auf unterschiedliche Arten

Ihre Leser sind vielschichtige und einzigartige Individuen, die Informationen ganz unterschiedlich aufnehmen. Je mehr verschiedene Arten Sie also finden, um diese Bedürfnisse und Vorlieben zu erfüllen, desto breiter ist Ihr Publikum gefächert. Interessante Texte, überzeugende Fotos, fesselnde Videos und informative Podcasts sind einige Contenttypen, die Sie zur Verfügung stellen können.

Behalten Sie aber im Hinterkopf, dass Sie verschiedene Tools für verschiedene Anforderungen einsetzen müssen. Verstehen Sie die Stärken und Schwächen eines jeden Mediums und zielen Sie darauf ab, den richtigen Content auf der richtigen Plattform anzubieten. So kann zum Beispiel ein reichhaltiger, langer Textbeitrag die Aufmerksamkeit des Lesers nicht lange fesseln. Dieselbe Information könnte aber viel einfacher und unangestrengter als lockerer, einstündiger Podcast erfasst werden – aus dem „Wozu?“ ergibt sich das „Wodurch?“.

 

4.) Kommen Sie zur Sache

Auch, wenn die Marketingstrategie vorsieht, den Leser so lange wie möglich auf der Seite zu halten, vergessen Sie nicht, die Bedürfnisse und Wünsche der Leser nach vorn zu stellen. Wenn Sie nicht zur Sache kommen, kann das den Leser, der von Ihnen schnelle Informationen verlangt, sehr frustrieren – und in diesem Zeitalter der kurzen Aufmerksamkeitsspannen kann Sie das schnell Leser kosten.
Sehen Sie Ihre Story als 3-Gänge-Menü. Der Anrisstext ist der Appetizer, der genau das tun soll: den Appetit anregen. Er soll nicht komplett zufriedenstellen, aber auch nicht enttäuschen, sondern den Leser erfreuen und ihn dazu bringen, mehr zu wollen. Wir nennen das den umgekehrten Pyramiden-Stil: Beginnen Sie mit dem Gesamtbild (Appetizer), liefern Sie alle Details (Hauptgericht) und ergänzen Sie dann Hintergründe und Zusammenhänge, um die Relevanz zu verdeutlichen (Dessert). Ihre Aufgabe als Geschichtenerzähler besteht darin, den Leser neugierig zu machen. Beginnen Sie mit einer interessanten Annahme und den interessanten Fakten, sodass die Leser unbedingt weiterlesen wollen. Ihre Inhalte sind wertlos, wenn niemand sie liest.

 

5.) Beleuchten Sie von allen Seiten

Geschichten sind selten eindimensional. Wenn Sie gründlich sind und die vielen verschiedenen Facetten Ihrer Geschichte beleuchten, können Sie einerseits vereinfachen, auf der anderen Seite aber auch mehr potenziellen Content erschaffen, ohne sich zu wiederholen. Lernen Sie, Ihre Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten: Warum ist etwas wichtig, nicht nur für Ihren Leser, sondern für dessen Kunden, Manager oder Angestellte? Was macht es für sie relevant und nützlich? Suchen Sie nach Möglichkeiten, wie Sie Ihre Geschichte aus einem analytischen Blickwinkel erzählen können, aber fragen Sie sich auch, wie Sie dieselbe Geschichte umändern und eine menschlichere Sichtweise ansprechen können. Ihre Leser sind sowohl Menschen mit Gefühlen und Erfahrungen als auch Experten in ihren jeweiligen Bereichen. Geben Sie ihnen etwas, das sie nachvollziehen können – eine Geschichte, in der sie sich für etwas begeistern können und eine andere Geschichte, in der es um Daten, Zahlen und Konzepte geht.

 

6.) Suchen Sie die Wahrheit und schreiben Sie darüber

Genauigkeit ist der Schlüssel. Achten Sie penibel darauf, dass Sie Ihre Quellen nicht falsch zitieren, weil Sie die Worte bequem an einen anderen Kontext anpassen, sondern versuchen Sie, Ihre Quellen direkt über Ihr Thema sprechen zu lassen. Schreiben Sie Namen fehlerfrei, geben Sie Menschen die korrekten Titel und sorgen Sie dafür, dass kein Fakt angezweifelt werden kann. Es liegt in Ihrer Verantwortung, Ihre Quellen mit dem allerhöchsten Respekt und der größtmöglichen Präzision darzustellen, gleichzeitig aber immer noch eine gute Geschichte zu erzählen. Geben Sie die Quellen für Statistiken an und verlinken Sie Nachrichten, damit der Leser keinen Moment daran zweifeln kann, wie Sie zu dem Ergebnis gekommen sind, das Sie vorstellen.

 

7.) Seien Sie neugierig

Journalisten sind für die meisten Themen, über die sie schreiben, keine Experten. Wenn Sie feststellen, dass Sie nicht über das nötige Fachwissen verfügen, um über ein bestimmtes Thema zu sprechen, dann finden Sie jemanden, der es hat. Stellen Sie alle Fragen, die Ihre Leser sich sehr wahrscheinlich fragen, aber in deren eigenen Worten. Wenn es etwas gibt, über das Sie bei einem Thema nicht Bescheid wissen, werden einige Ihrer Leser das sehr wahrscheinlich auch nicht wissen. Dadurch haben Sie die Chance, die Antworten zu finden und Ihren Lesern neue Informationen, nützliche Tipps und interessante Fakten zu vermitteln. Somit vergrößern Sie den Contentpool, über den Sie schreiben können, ohne Ihre Autorität als Quelle verlässlicher Information zu gefährden.

 

8.) Bleiben Sie am Puls der Zeit

Journalisten berichten oft sowohl über Trends als auch über ungewöhnliche Vorkommnisse innerhalb eines Themas, und beide haben eindeutig eine Halbwertzeit. Eine Analyse von Industrietrends aus dem Jahre 1998, als das Internet noch nicht allgegenwärtig war, hat für einen Brancheninsider des Jahres 2018 keine Relevanz. Angesichts der schnellen Fluktuation beliebter Apps und Websites und der sich ständig ändernden Meinung zu bestimmten Branchen ist das ein immer wichtiger werdender Punkt.

Seien Sie vorsichtig und tappen Sie nicht in die Falle, der Erste zu sein, dafür aber die Richtigkeit zu opfern. Es ist großartig, etwas als erster zu berichten, aber akkurate Berichterstattung ist immer noch das Hauptanliegen eines guten Journalisten. Dafür ist es erforderlich, auf ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Branche genau eingestimmt zu sein, aber auch genügend Abstand zu haben um das Gesamtbild zu beobachten, wie es sich verschiebt und entwickelt – oder sich zumindest darüber im Klaren zu sein, dass es so ist. Außerdem müssen Sie gewissenhaft, ja fast besessen davon sein, ganz sicher die absolute Wahrheit zu berichten.

 

Die Definition von Markenjournalismus

Der Schlüssel, um eine vertrauenswürdige Informationsquelle zu sein, lautet: Seien Sie so unparteiisch wie möglich. Manchmal scheint diese Idee den Zielen eines Marketers zu widersprechen, aber wenn Sie sich als glaubwürdiger und realistischer Geschichtenerzähler etablieren können, werden Ihre Leser Sie mit Sicherheit durchgehend als Quelle für zuverlässigen Content wahrnehmen – und nicht als jemand, der einfach nur ein Programm abspulen oder ein Produkt verkaufen will. Transparenz und eine Verpflichtung, den Anschein von Vorurteilen zu vermeiden, helfen Ihnen, sich sowohl als Vordenker als auch als eine Quelle vertrauenswürdiger Informationen aufzustellen.

Das bedeutet nicht, dass Sie Ihren Wettbewerb für alles, was er richtig macht, loben müssen. Es bedeutet aber, bei Ihren Lesern nicht den Anschein zu erwecken, als sei alles, was Ihre Marke tut, über jeden Vorwurf erhaben. Offen zu seinen eigenen Fehlern zu stehen ist eine großartige Möglichkeit, nützliche Informationen als Anekdoten darzustellen und gleichzeitig den Eindruck zu vermitteln, dass Ihr Unternehmen tatsächlich auf Menschen baut – und Menschen machen nun einmal Fehler.